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Zehn Thesen zur Zukunft der Marktforschung
Die Marktforschung, als Kind der Industriegesellschaft, bezieht ihre Legitimation aus der großen Erzählung der Moderne. Doch diese Erzählung beschreibt die Wirklichkeit, auch die der Marktforschung im 21. Jahrhundert nicht mehr. Der Schauplatz der Marktforschung hat sich aus dem euklidischen Raum der Moderne verabschiedet und ist in die Datenbanken, Netzwerke und Social Communities weitergezogen. Es ist Zeit für die institutionalisierte Marktforschung, die Zelte abzubrechen und der Wirklichkeit nachzuziehen. „Official culture still strives to force the new media to do the work of the old media. But the horseless carriage did not do the work of the horse; it abolished the horse and did what the horse could never do.“ (H. Marshall McLuhan) 1. Allverfügbarkeit des Wissens. 2. Ständige Beta-Versionen. Was heute in der Wikipedia steht, ist nicht notwendig das, was schon vor wenigen Wochen darin zu finden war. Wissen ist stets im Fluss. Das aber widerspricht dem klassischen Vorgehen der Marktforschung: Eine Frage wird gestellt, man geht ins Feld, findet die Antwort und publiziert eine abgeschlossene Studie. In der Softwareentwicklung hat man sich von Releases, von finalen Versionen, längst verabschiedet; was veröffentlicht wird, ist heute meist eine Beta-Version, ein Zwischenergebnis, das erst in der Anwendung vervollständigt und verbessert wird. Auch die Marktforschung wird zukünftig Studien veröffentlichen, die sich im Gebrauch selbst noch fortentwickeln. 3. Nutzer werden das, was Institute früher waren. 4. Unternehmen verlieren ihre klaren Grenzen zu Medien, Politik und Öffentlichkeit. 5. Zielgruppen werden zu Gemeinschaften. 6. Das Ende der Erhebung durch Petabyte-Speicher und Teraflop-Datenbank. 7. Korrelationen sind die neuen Kausalitäten. 8. Das Ende der Modelle: Die Zeit der Experten ist vorbei. 9. Objektivität wird zu einer nostalgischen Erinnerung. 10. Wir brauchen eine neue Forschungsethik. Dr. Benedikt Köhler, Ethority, und Dr. Jörg Blumtritt, Tremor Media in BVM inbrief, Ausgabe August 2010, S. 4-5 Kommentare zur These 2, „Ständige Beta-Versionen“: Daniel schrieb am 03.09.2010 um 15:40Uhr: Stephan Götze schrieb am 25.09.2010 um 10:49Uhr: | ||||